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„Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9): Der Gnadenstuhl

Von Franz Prosinger

Mit dem Wort „Gnadenthron“ übersetzt Martin Luther die Deckplatte auf der Bundeslade (hebr. kapporæt), die der Versühnung des Volkes Israel dienen sollte. Auf sie sprengte der Hohepriester am großen Versöhnungstag das Blut des für den Herrn erwählten und dargebrachten Opfertieres (wohlgemerkt: nicht das des sogenannten Sündenbocks, der als unreines Tier dem Dämon in der Wüste überlassen wurde). Die griechische Bibel setzt dafür den Ausdruck „Sühnopferstätte“ (hilasêtrion) und der hl. Paulus verwendet denselben Ausdruck in Röm 3,25: „Gott (Vater) hat ihn (Jesus Christus) vorgesetzt hat als Sühnopferstätte mit Hilfe des Glaubens in seinem Blut zum Aufweis seiner Gerechtigkeit auf Grund des Nachlasses der zuvor geschehenen Sünden“. Martin Luther übersetzt hier mit „Gnadenstuhl“. Im Unterschied etwa zur Bergpredigt, wo „Gerechtigkeit“ das meint, was wir Gott schulden, spricht Paulus von der „Gottesgerechtigkeit“ als der Rechtfertigung, die von Gott ausgeht (Röm 3,21-26). Diese ist zwar geschenkt und nicht erworben (3,24), will aber durch einen mitwirkenden Glauben angeeignet werden (3,22.25), so dass derjenige, der im Glauben an den Sohn Gottes lebt, „der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“, mit Christus vollkommen gekreuzigt ist: „So lebe also nicht mehr ich, vielmehr lebt Christus in mir“ (Gal 2,19-20).

Die „Aussetzung“ des Gekreuzigten als „Gnadenstuhl“ bzw. Sühnopferstätte erinnert an das Prophetenwort: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10). Der Evangelist Johannes bezieht dies auf den am Kreuz durchbohrten Herrn (Joh 19,37). Mit diesem Aufblick geht nach Sacharja ein Geist des Erbarmens und des Flehens aus (12,10), eine Quelle gegen Sünde und Unreinheit (13,1).

Diese allein dem Glauben sich eröffnende Wirklichkeit hat die christliche Kunst lange Zeit nicht darzustellen gewagt. Bis zum Ende des ersten Jahrtausends wurde das Kreuz ohne den Gekreuzigten dargestellt, als Zeichen des Sieges mit Edelsteinen verziert und während der Passionszeit verhüllt. In karolingischer Zeit wurde dann der Gekreuzigte als Christkönig gezeigt, so die beiden überlebensgroßen Kreuze in Enghausen aus dem ehemaligen Kloster in Moosburg und das Gereonskreuz in Köln. Auf dem Lotharkreuz im Aachener Domschatz (um 980) ist die Vorderseite mit Edelsteinen verziert, auf der Rückseite ist der Gekreuzigte eingraviert, über ihm die Taube und ein Siegeskranz, den eine Hand hält, die offensichtlich Gott-Vater zuzuordnen ist. Dieser wurde im ersten Jahrtausend niemals dargestellt, weder im Osten, noch im Westen.

Der uns bekannte Typus des Gnadenstuhls findet sich in Miniaturen und Messbüchern ab dem 12. Jahrhundert, allerdings mit einem großen Unterschied: über dem Gekreuzigten ist wohl die Taube, aber der zu erwartende Gott-Vater trägt die Insignien (den Kreuznimbus) und die Gesichtszüge des Sohnes. Somit wird eine Trennung von Vater und Sohn vermieden, und damit das Missverständnis, als würde der Vater den Sohn zum Opfer darbringen, etwa als Ersatzopfer, um seiner fordernden Gerechtigkeit Genugtuung zu leisten. Eine solche Aussage findet sich ja auch tatsächlich nicht in der Heiligen Schrift. Man könnte 2 Kor 5,21 zitieren, wonach Gott (Vater) denjenigen, der die Sünde nicht kannte, für uns zum Sündopfer machte, damit wir in ihm Gottesgerechtigkeit würden. Man könnte auch an Joh 3,16 denken, wonach Gott (Vater) so sehr die Welt geliebt hat, dass er seinen Eingeborenen dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe. Oder Röm 8,32: „Der seines eigenen Sohnes nicht schonte, sondern ihn für uns alle auslieferte, wie sollte er mit ihm nicht auch alles uns zu Gnaden geben?“.

Offensichtlich verweisen diese Stellen auf die sogenannte „Bindung Isaaks“ bzw. das Opfer Abrahams in Gen 22. Zu diesem schwierigen Kapitel sei nur angemerkt, dass nach Jak 1,13 Gott nicht zum Bösen versuchbar ist und auch niemanden zum Bösen versucht. Die Aufforderung an Abraham lautet wörtlich, seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija „zur Darhöhung darzuhöhen“ (so auch in der Übersetzung von Martin Buber). Dass diese allgemeine Formulierung im Horizont der Zeit als Ganzbrandopfer verstanden wurde, konnte Gott zulassen, um den eigentlichen Opfergedanken zu klären. Abraham sollte mit Isaak sich selbst, sein Ein und Alles, das Unterpfand von Verheißung und Segen Gott anheimgeben. Zudem legt schon die vorchristliche aramäische Bibelauslegung der Targume das Opfer Isaaks als freiwillige Hingabe seiner selbst aus. Der Midrasch lässt den 37 Jahre alten Isaak dem fast 140-jährigen Abraham sagen: „Vater, binde mich fest, damit ich nicht etwa zittere und das Opfer ungültig werde“. In einem Targum zu Ex 12,13 sah Gott im Blut des Lammes das Blut Isaaks, den Abraham demnach gegen den Wortlaut der Bibel tatsächlich geschlachtet hat – wonach er wieder auferstanden ist. So hat die Opfertheologie des Frühjudentums die Deutung des Opfers Christi vorbereitet (nachzulesen in R. Le Deaut, La nuit pascale. Essai sur la significacion de la Pâque juive à partir du Targum d´ Exode XII 42, Rom 1963).

Im Neuen Testament wird vor allem im Hebräerbrief betont, dass Christus sich selbst freiwillig zum Opfer dargebracht hat: „Er brachte sich selbst in einem ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dar“ (9,14) und „trat mit seinem eigenen Blut in das Heiligtum ein, ewige Erlösung findend“ (9,11). Dieser „ewige Geist“ ist die hochherzige Hingabe ohne jeglichen Vorbehalt. Zwar musste er, obwohl er der Sohn Gottes war, durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam lernen (5,8), und unter lautem Rufen Bitten und Flehen dem darbringen, der ihn vom Tod erretten konnte, und er ward erhört um seiner Ehrfurcht willen (5,7). Der liberale Exeget Harnack vermutete, dass hier ein „nicht“ ausgelassen wurde: „er wurde nicht erhört“! Aber Christus hat nicht um die Befreiung vom Todesleiden gebeten, sondern um die Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters (Mk 14,36; Mt 26,39; Lk 22,42). Am deutlichsten bringt das Johannesevangelium diese Übereinstimmung zum Ausdruck: „Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde – aber dazu bin ich ja in diese Welt gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ (12,27-28; vgl. 18,11). „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben einsetze, damit ich es wieder erhalte. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selbst setze es von mir aus ein. Ich habe Vollmacht, es einzusetzen und Vollmacht, es wieder an mich zu nehmen. Diesen Auftrag nahm ich an von meinem Vater“ (Joh 10,17-18).

Diese geheimnisvolle Einheit mit dem Vater bringt die Darstellung des Gnadenstuhls im 12. Jahrhundert zum Ausdruck: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9). Der Vater ist und bleibt in sich unsichtbar, er „wohnt im unzugänglichen Licht“ (1 Tim 6,16). Aber er wird sichtbar in seinem Mensch-gewordenen Sohn (vgl. 1 Joh 1,2), der da einbezogen ist in das Geheimnis des Vaters (Joh 1,18). Auf dem Antlitz des Sohnes wird der Vater sichtbar. So hält der Sohn als derjenige, der ganz mit dem Vater übereinstimmt, als der sich selbst Hingebende den Hingegeben in Händen, der er selbst ist, aber zugleich sich selbst überwinden musste, um mit dem Willen des Vaters übereinzustimmen. In der Miniatur des Missale von Cambrai (siehe Bild) und derjenigen des Landgrafenpsalters berühren sich die Hände des Gekreuzigten und derjenigen des ihn tragenden verklärten Christus. Der Dargebrachte und der Darbringende sind ein und derselbe und in ihr Werk ist der Wille des Vaters. So bleibt das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit gewahrt: da ist keine Trennung oder gar „Zerspannung“ von Vater und Sohn, wie Hans Urs von Balthasar meinte, kein Zorngericht des Vaters über dem Sohn, das ersatzweise über ihn erging, um uns verschonen zu können, sondern die Suche des verlorenen Schafes bis in die Sackgasse des Todes, um durch sein freiwilliges Sterben den Tod in eine Geburt zu neuem Leben zu verwandeln. Das ist freilich keine Ersatzhandlung, die uns erspart bleiben könnte, sondern „er hat uns einen lebendigen Weg neu eröffnet“ (Heb 10,20), so dass wir „mit Freimut hinzutreten können zum Thron der Gnade“ (Heb 4,16), dem Gnadenthron.


Franz Prosinger: Der Gnadenvorschuss

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